Salar de Uyuni
Julia

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Salar de Uyuni – der unendliche Spiegel

Wenn Himmel und Erde eins werden – dann ist man in der grössten Salzwüste der Welt angekommen: Der Salar de Uyuni auf 3600m über Null. Wer zur richtigen Zeit kommt, erlebt hier die perfekte Reflexion im wenige Zentimeter hoch stehenden Wasser. In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf einen kurzen Trip durch diese bizzare Landschaft.

Unsere Reise durch den südwestlichsten Teil von Bolivien hatte schon vor 3 Tagen begonnen. Nun hatten wir endlich pünktlich zum Sonnenaufgang den Rand der Salar de Uyuni erreicht. Hier, ganz im Süden, lagen die ersten reflektierenden Wasserbereiche vor uns – leider fiel an diesem Morgen der Sonnenaufgang nahezu aus, denn dichte Wolken drängten sich am Horizont. Doch diese ganze Landschaft war so neu und faszinierend, dass mir das nicht viel ausmachte – so drehte ich mich nach einer Weile um 180 Grad und fand eine neue Szenerie. Ein Bild, gemalt in schwarz-weiss nahezu – weisse Salzkristalle vor dramatisch dunklen Bergen.

Wenn die zeit fast stehen bleibt

Dann ging die Fahrt weiter – ruhig und gleichmässig. Eindeutig, die Stein- und Schotterpisten des Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa, durch die wir die letzten Tage geholpert waren, hatten wir endgültig hinter uns gelassen. Nächstes Ziel: Die Insel Incahuasi. Erst noch schnell, dann immer langsamer näherten wir uns der Insel, bis wir mit 20km/h dahin tuckerten und gefühlt stehen blieben. Hmm. Wollte Juan Carlos, unser Fahrer, uns die Landschaft geniessen lassen? War der Grund Angst vor Aquaplaning (denn wir fuhren inzwischen durch Wasser)? Oder hatten wir einfach zu viel Zeit und Eile war nicht notwendig? Später fanden wir die Antwort: Bei schnellerer Fahrt spritzt zu viel Salzwasser auf und kann die Elektronik des Autos schädigen. Und stranden wollten wir auf dem ewigen Spiegel wirklich nicht.

Kakteen auf korallen

Die Insel Incahuasi erreichten wir schliesslich doch. Wie ein Berg ragte sie aus dem weissen Meer, und vom Wasser fuhren wir mit dem Auto an Land. Ein verrücktes Gefühl! Da die Salar de Uyuni ursprünglich ein Meer war, formt sich die Insel aus alten versteinerten Korallen, deren Strukturen bis heute gut sichtbar sind. Als wenn man durch ein Riff wandert… Ein Riff mit riesigen Kakteen darauf und einem 360 Grad Panoramablick ins endlose Weiss. 

Nach einem kurzen, windigen Frühstück ging es weiter und gegen Mittag erreichten wir schliesslich unsere Unterkunft für die Nacht am Fusse des Vulkans Tunupa. Umringt von zig Lamas und wunderschön rot blühendem Quinoa war die Unterkunft einmal mehr einfach, aber funktionell. Inzwischen war ein Wasserhahn mit fliessend Wasser schon Luxus geworden.

ein überraschender reiseabbruch

Nach einer kurzen Wanderung Richtung Vulkan erreichte uns hier schliesslich die Botschaft, dass mit Grenzschliessungen und Streichung der Flüge nach Europa in den nächsten Tagen gerechnet werden musste. Corona hatte uns also doch noch eingeholt. Schlagartig platzte die Illusion des fantastischen Orts – für den Sonnenuntergang hatten wir nur noch ein halbes Auge, während wir auf den Handys fieberhaft nach Heimflügen für den nächsten Tag suchten –und schliesslich schweren Herzens buchten. 

Auch am letzten Morgen blieb uns ein spektakulärer Sonnenaufgang verwehrt. Aber die Rückreise, die sich dank 20km/h über viele Stunden zog, liess uns genug Zeit um Abschied zu nehmen. Während wir durch die bizzaren Salzstrukturen fuhren formte sich ein Bild in meinem Kopf… Doch dazu musste ich raus, in die Kälte und ins Wasser. Barfuss und im Kleid. Brrr. Also Kleidung wechseln, durchatmen, Tür auf und eintauchen. Das Wasser ca. 1.5cm hoch und kühl, aber nicht kalt, der Boden glatt und hart, fast wie Asphalt. Ein bisschen vorlaufen, hui der Wind, frisch… Klick. Ein Moment, ein Ort für die Ewigkeit, gebannt in Bits & Bytes

Auf den letzten Kilometern schliesslich schweifte der Blick nochmals endlos aus dem Fenster. Begleitet vom Song Live it in Endlosschleife versuchte ich, alles noch tiefer in mich aufzunehmen, mit dem utopischen Wunsch die ganze Faszination und Vielfalt speichern zu können. Minuten verschwammen zu Stunden, in denen wir über diesen endlosen Spiegel glitten, der Himmel löste sich im Boden auf, alles wurde der Moment und gleichzeitig die Unendlichkeit. Schliesslich warf ich einen Blick zurück: das Auto hatte keinerlei Spuren hinterlassen. Waren wir jemals wirklich hier?

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2 Gedanken zu „Salar de Uyuni – der unendliche Spiegel“

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