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Julia

Julia

Höllloch – Kletterpartie ins Ungewisse

Pechschwarze Dunkelheit umgibt uns und absolute Stille. Nur ab und an tönt ein leises Plop aus dem Nichts. Ich drehe den Kopf – nach links, nach rechts – doch kein Funken Licht ist zu sehen. Kurz darauf flammen die Stirnlampen an unseren Köpfen wieder auf und ein Hauch Erleichterung schwirrt durch die Grotte. Urs, unser Guide, erzählt – von den ersten Forschern und geheimen Zugängen, von unterirdischen Wasserfällen und längst vergangenen Unglücken. Wir sitzen tief unten in einem 200 km langen Höhlensystem, dem grössten von Europa – willkommen im Höllloch.

Ausflug in eine fremde Welt

Der Ausflug in diese uns so fremde Welt startete im hellen Licht des Tages, wo Urs uns begrüsste und mit Overalls, Gummistiefeln, Handschuhen und Helm ausstattete. Ein kurzer Zuweg führte uns rasch zum Eingang des Hölllochs – wo uns ein Bach aus kalten Luftschwaden entgegen wehte, die bereits mystisch aus dem Eingang quollen. Wir hatten uns für unseren „Parcours“ für die abenteuerlichste Variante entschieden, und so liessen wir den Hauptweg rasch links liegen und starteten direkt in die Vertikale. Durch einen engen Spalt ging es auf Tritten, an Seilen, auf Leitern und an Ketten tief hinab in die Dunkelheit. Immer wieder verlor sich der Schein der Lampe im Nichts – ob nun wohl einer oder 10m unter uns lagen? Und wohin diese Abzweigung wohl führen mochte?

Flüssiger Fels und ein Hauch aus dem Nichts

Bald schon erschienen die ersten Stalagmiten und Stalaktiten vor unseren Augen – durch jahrhundertelanges Tropfen geformte Spitzen, die aus Decke und Boden wachsen. Oder war das vielleicht ein riesiges Maul, in dem wir da gerade spazieren gingen? Wir schauten uns an – atmeten aus – leise wabernd bildete sich weisser Dampf vor unseren Mündern.. Das Höllloch erwachte zum Leben – die Illusion fast perfekt. Doch natürlich waren es nur die 100% Luftfeuchtigkeit und 6 Grad Lufttemperatur, die dort unten ganzjährig für die fast winterliche (und ein bisschen mystische) Stimmung sorgten. Schnell kletterten wir weiter, denn ohne Bewegung wurde es bald frisch. Nach ein paar Schlängeleien durch enge Schlitze und Rutschpartien auf dem Hosenboden wateten wir plötzlich durch feinen, schwarzen Sand – um dann unversehens vor einem kleinen See anzukommen. Laut Urs befanden wir uns inzwischen auf Höhe des Zürisees. Wer hätte das gedacht? Weiter erfuhren wir, dass je nach Wetterlage das Höhlensystem regelmässig mit Wasser geflutet wird. Zum Glück nicht heute, zwischen Unwetter und Flut vergehen 10 Stunden – und der Regen hatte draussen erst heute Morgen eingesetzt.

Eine eiskalte Überraschung

Auf dem Rückweg legten wir noch einen letzten Stopp ein – was wohl die vorher angekündigte Überraschung sein mochte? Wir spekulierten und rätselten – aber mit der Anweisung, Schuhe und Socken auszuziehen und barfuss weiter zu gehen hatten wir nicht gerechnet. Brrr! Vorsichtig setzten wir unsere Fusssohlen auf das empfindliche Sinter-Gestein und stiegen darauf aufwärts. Bald schon wurden unsere Zehen kühl – doch nun ging es sogar durch eiskalte Tümpel weiter. Nun waren sie eindeutig kalt. Schmerzkalt. Doch die glasklaren Teiche waren gleichzeitig extrem schön, und so staunten wir über die Formationen – und freuten uns danach, als wir wieder in die warmen Stiefel schlüpfen konnten.

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Träumen erlaubt: Von Wasserfällen und einer dunklen Übernachtung

Langsam ging es nun wieder steil aufwärts Richtung Ausgang – dabei gäbe es noch viel mehr zu sehen, die Zeit war viel zu schnell vergangen. Urs erzählte uns von tiefen Schluchten, unterirdischen Seen, einem 17m hohen Wasserfall, und von Krebsen, die man hier unten finden kann. Leider lag all das nicht auf unserer Tour, den diese führte gerade mal einen Kilometer in das System. Einen von 207 Kilometern… Kaum zu glauben, denn für uns fühlte es sich an wie eine andere Welt. Schnell stand fest: Fortsetzung folgt – sowohl Wasserfall als auch Übernachtung im Dunklen klingen einfach zu verlockend. Das Höllloch ruft – wir werden wiederkommen.

Facts zum Parcours

Wer nun auch Lust bekommen hat, das Höllloch im Muothatal zu besuchen, findet auf dieser Website alle nötigen Infos. Die Tour ist ganzjährig machbar und damit ein super Schlechtwetterprogramm (ausser ggf. nach starken Regenfällen). 

Das Höllloch liegt im Muotathal im Kanton Schwyz.

Wir hatten den Höhlenparcours als 3.5h Privattour gebucht, dieser kann ab 6 Personen an einem Wunschdatum durchgeführt werden. Es empfiehlt sich robuste Kleidung mitzunehmen, die dreckig und nass werden kann, oder vor Ort einen Höhlenoverall zu mieten. Auf Wunsch kann die Tour den Teilnehmern angepasst werden, von einer gemässigteren Tour bis zu sportlichen Variante mit Klettern und Abseilen. Das Höllloch ist übrigens mit 207km Länge das grösste Höhlensystem Europa. Zwischen dem tiefsten (551 m) und dem höchsten (1584 m) Punkt liegen 1033 Höhenmeter – Weltrekord.

Disclaimer: Dieser Beitrag ist in keiner Weise gesponsert. Die Tour wurde selbst bezahlt.

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2 Gedanken zu „Höllloch – Kletterpartie ins Ungewisse“

  1. Ein sehr schöner Bericht! Es freut mich, dass Du Gefallen an der Unterwelt gefunden hast. Und ja, es gibt im Hölloch noch viel zu sehen!

    1. Vielen Dank Armin, schön dass dir der Beitrag gefallen hat! Eine sehr beeindruckende Welt, ich komme sicher nochmal für die lange Tour, die viel tiefer ins Höllloch führt 🙂 Viele Grüsse, Julia

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