Skitouren Kurs Ausbildung Grindelwald
Julia

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Skitouren: Kurse, Tools und Tipps für Anfänger

Ein regelmässiges Whipwhipwhip begleitet mich, während mir der Schweiss den Rücken herunter läuft. Immer wieder schweifen meine Blicke ab zur wunderschönen Bergwelt um mich herum, um dann jäh wieder in die Realität zurückzukehren: «Ski schieben, nicht heben» ermahnt mich meine innere Stimme, «konzentrier dich», während ich versuche meinen Rhythmus zu finden. Aller Anfang ist schwierig – und dies ist einer, denn ich bin soeben voll bepackt mit Skiausrüstung, Rucksack und Lawinenequipment auf die erste Skitour meines Lebens gestartet.

Skitouren in Grindelwald
Aussichten die zum Lernen motivieren - auf Schreckhorn und Finsteraarhorn in Grindelwald

Von Frauenpower und Überraschungen – wie alles anfing

Mein ganzes Umfeld war im Tourenfieber – und ich wollte mitfiebern. Also luden mich 2019 spontan ein paar Kolleginnen ein, mich als Newbie das erste Mal mit auf den Berg zu nehmen. Ohne Gondel, powered by legs. Und wie das so ist bei ersten Malen, gab es an dem Tag so viele Erkenntnisse wie lange nicht mehr – z.B. dass man mit Tourenskischuhen relativ bequem laufen und sogar klettern kann, dass alles viel leichter ist als im Alpinbereich (Ski, Schuhe) und gleichzeitig viel schwerer (Lawinenausrüstung). Das man eben die Ski schiebt und nicht hebt und dass das alles trotzdem deutlich anstrengender war als erwartet. Und obwohl die Gefühle am Ziel (Stolz, Freiheit) und bei der Abfahrt (ohgottokgehtschonohmachtSpass) mir noch lange in Erinnerung blieben, lautete mein Fazit nach dem ersten Mal – coole Sache, aber so viel Equipment… Und noch ein neues Hobby? Nein danke.

Anfänger Skitouren Kurs Grindelwald
Auch das Anbringen der Felle, mit denen man den Berg hochlaufen kann, will gelernt werden.

Stop stop stop... Oder doch Go?

Eine Saison später, und wieder sehe ich sie alle touren. Auf meinen Schneeschuhwanderungen rauschen sie auf Skiern vorbei, während ich bergab stapfe. Ich erinnere mich wieder an das Freiheitsgefühl von meinem ersten (und einzigen Mal).. Und gestehe mir ein: Ich möchte auch wieder auf Ski da oben stehen! Und so fing alles an – bzw. so ging es weiter. Denn diesmal war ich entschlossen, nicht einfach nur mitzulaufen, sondern selbst alle notwendigen Skills zu lernen. Doch eins stand mir noch im Weg dabei – das Thema Tiefschnee.

Beim Skitouren ergeben sich oft fotografisch spannende Perspektiven.

Ich bin nicht in den Bergen aufgewachsen, hatte aber das Glück, bereits mit ca. 3 Jahren zum ersten Mal auf Skiern zu stehen. Und mich einmal pro Jahr unter den Augen des Skilehrers im Schuss die Piste runter stürzen zu dürfen – wer jemals Kinder beim Skifahren gesehen hat, weiss, was ich meine: Speed ist alles, Angst existiert nicht. Dies, bis ich einmal dem Lehrer in den Tiefschnee folgte, mich überschlug und «unter» dem Schnee aufwachte – in der Überzeugung, das wäre der Himmel und ich tot. Seitdem mied ich Tiefschnee wie eine Katze das Vollbad und sagte mir, «irgendwann» würde ich es sicher nochmal probieren. Irgendwann, aber nicht jetzt. Und beschränkte mich seitdem auf Pisten aller Farben. Bis «irgendwann» nach 25 Jahren an die Tür klopfte – denn Skitouren und Tiefschnee, das gehört einfach zusammen..

7 Kurse, Tools und Tipps für den Start ins Skitouren

Entsprechend galt es, diese Angst im Speziellen und mein Unwissen von Gefahren im Schnee im Allgemeinen anzugehen. Was mir dabei geholfen hat und wie ich in meine bisherige (kurze) Skitourenzeit gestartet bin, stelle ich dir nun vor. Bitte beachte, dass dies nur meine persönlichen bisherigen Erfahrungswerte sind und ich immer noch weiter dazu lerne.

Impressionen von verschiedenen Ausbildungskursen mit Grindelwald Sports.

1. Gratis Lawineninfoabende: Zuerst startete ich mit zwei Besuchen von Lawinenabenden – diese sind meist gratis und aktuell online, wie die von Transa. Auch Bächli Bergsport bietet entsprechende Abende an zu Beginn der Wintersaison. Dies gab mir einen guten ersten Einstieg in die Materie «Schnee», und fortan wusste ich, dass ich auf Hängen unter 30 Grad relativ sicher war, wie ich diese finde und auch, dass ich als Schneetourengänger keineswegs gefeit war vor Lawinen. Mammut hat ein solches Onlinetraining sogar aufgezeichnet, man kann es hier gratis anschauen . Solche Abende reichen zwar nicht, um eine Tour selbst zu planen, aber bieten einen guten ersten Eindruck.

2. Testmaterial: Wer kann, leiht sich Equipment bei Transa oder Bächli aus und läuft bei erfahrenen (!) Kollegen mit. Wer die nicht hat, springt zu Punkt 3.

3. Günstige Einsteigerkurse inkl. Material: Wer sich langsam an die Materie herantasten möchte, für den ist Ruedi Bergsport in Zürich eine gute Option. Sie bieten diverse Tageskitouren «für Anfänger und Geniesser», zudem Kurse zu Lawinenkunde und auch Tiefschneefahren in einem vertretbaren Kostenrahmen – und vor allem idR inklusive Mietmaterial. Dies war für mich ein guter Start, jedoch sind die Kurse immer recht gross und vom Theorieteil der Lawinenkunde ist bei mir nicht viel hängen geblieben (Frontalunterricht). Ich empfehle daher, den sonst guten Praxisteil mit Punkt 6 zu ergänzen.

4. Eigenes Material: Wer danach überzeugt ist, dass die Skitouren-Liebe hält, der besorgt sich sein eigenes Material. Skischuhe müssen gut passen und können z.B. in grösseren Transa Filialen individuell angepasst werden durch Einlagen, Kleber am Innenschuh (z.B. für schmale Fersen) oder Ausweitung. Komplett massgeschneiderte Innenschuhe sind deutlich teurer, aber passen dann auch richtig – sowas gibt es z.B. hier oder hier, da kostet der Innenschuh aber schnell mal ab CHF 700 aufwärts. Ski und auch die Bindung empfehle ich an Testtagen im Gelände auszuprobieren, hier hatte ich einige Aha-Erlebnisse. Transa und Bächli bieten diese idR am Anfang der Saison an, und sie sind wirklich gold wert, um sich auf dem Ski wirklich gut zu fühlen. Für weiteres Material (Rucksack, Bekleidung, Sonde, Schaufel, Lawinenverschüttungsgerät LVS) etc. empfehle ich bei Outdoor Second Hand Shops wie 2nd Peak vorbeizuschauen oder auf Online Marktplätzen. Auch die Augen beim Saisonende-Sale offen halten bei den gängigen Outdoor-Ausstattern ist eine gute Idee!

Anfänger Skitouren Kurs Grindelwald
Skitourenausbildung mit Grindelwald Sports

5. Vertiefungskurse: Wer vertieft in Kleingruppen lernen möchte, dem empfehle ich z.B. die Kurse von Grindelwaldsports. Mir hat insbesondere der zweitägige Tiefschnee-Kurs extrem geholfen – hier wurde immer wieder zuerst auf der Piste geübt, dann neben der Piste umgesetzt. Auch die Tatsache, dass der Bergführer gleichzeitig Skilehrer war, habe ich sehr geschätzt und kann ich empfehlen.

6. Touren selbst planen lernen: Den grössten Lerneffekt hatte ich wohl mit whiterisk.ch (auch als App), die Seite möchte ich jedem ans Herz legen. Die Onlineplattform des Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat dort neben einem Routenplanungstool vor allem sechs Trainingsmodule geschaffen, in denen interaktiv Lawinenwissen geübt und eigene Einschätzungen trainiert werden können. Mir hat das enorm geholfen, um erste, einfache Planungen bei Lawinenstufe 1-2 und unter 30 Grad mit gutem Gefühl durchführen zu können. 7 Tage ist die Version gratis, danach sind es CHF 29 pro Jahr – definitiv gut investiertes Geld.

7. Weitere hilfreiche Tools: Wenn ich nun eine Tour plane, filtere ich meist zuerst in Skitourenguru nach passenden Kriterien (Starthöhe? Distanz? Anstieg?), checke diese dann auf dem SAC Tourenportal auf weitere Details und zeichne sie danach selbst auf Whiterisk.ch. So setze ich mich mit dem Gelände richtig auseinander und kenne Gefahrenstellen. Dann bespreche ich sie mit meinen Tourenkollegen und wenn alles ok ist ziehe ich mir den Track auf meine Garmin-Uhr. Zack ready!

Ich hoffe meine Tipps helfen dir, den Einstieg in die Skitourenwelt zu finden. Spätestens wenn du das erste Mal auf einem Gipfel gestanden hast, ohne die Massen des Sommers, und dein Blick über die weissen Berge gewandert ist, weisst du wovon ich rede wenn ich sage: Achtung, Suchtgefahr! 😉

Disclaimer: Dieser Post wurde durch keine der genannten Brands oder Unternehmen finanziert.

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