Halbschlaf. Ich drehe mich in meinem Schlafsack, was eine kleine Kaskade winziger Schneekristalle in mein Gesicht herabrieseln lässt. Wo bin ich? Ich öffne die Augen und starre auf die weisse Decke, die nur 30cm über mir schwebt. Rund um mich herum ist alles weiss, die Stille dick wie Butter und leicht zugleich. Kein Laut dringt an mein Ohr.
Ich liege im Quincy, einer von uns gebauten Schneehöhle, in der ich die Nacht verbracht habe. Die Nacht war warm hier drin, nur ca. -6 Grad auf dem Schlafplateau. Langsam versuche ich mich aus dem Schlafsack zu schälen, ohne einen weiteren Kristall-Regen auszulösen. Ich schlüpfe in meine Kleider und schiebe die Schneetüre zur Seite. Draussen beisst die Kälte in die Haut, -15 bis -20 Grad sind in diesen Nächten angekündigt. Alle Feuchtigkeit gefriert um mein Gesicht, die Haare gleichen einem ungewollten Kunstwerk aus Eiskristallen. Die Skala unserer kleinen Gruppe kennt nur noch zwei Kategorien: Nasenhaar-Einfrier-Temperatur ja oder nein.
Eisblumen und Komfortzone auf Norwegisch
Eine Woche bin ich zu Lynx Vilden gegangen – angemeldet zum Kurs Winter Skills Intense. Nach meiner einjährigen Outdoor-Ausbildung wollte ich wieder einmal meine eigenen Grenzen ausreizen – diesmal einen Schritt weiter, in der nordischen Kälte. Und neue Techniken lernen: Fettlampen und Sägen bauen, Messer herstellen mit Geweihgriffen, Bäume fällen, Schneeunterkünfte bauen und natürlich weiter lernen zu Feuertechniken und Spurenlesen. Bekommen sollte ich mehr, als ich erhofft hatte.
Kalt, so kalt rinnt das Wasser über meine Haut. Zapfen hängen vom einzigen Wasserhahn und zerklirren in tausend Stücke, als wir den Eimer für Trinkwasser daran halten. Heisses Wasser liefert nur der Wasserkocher. Eisblumen schmücken die Fenster, kunstvollen Ornamenten gleich. Die Küche und der Werkraum zeigen am Morgen knapp über null Grad, der Community-Raum 8 Grad. Keine Heizung. Aber viel Holz und Feuer. Jede:r in der Gruppe kümmert sich darum, dass die Flammen stetig brennen.
Es gibt Essen mit viel Fett – pflanzlich und tierisch, zum Teil selbst von Lynx erlegt. Ein Stretch für mich als überwiegende Vegetarierin, vor allem, als Robbe in Robbenfett auf den Tisch kommt – inklusive sehr intensiv waberndem Fisch-Geruch, der sich an allem festzubeissen scheint. Grenzerweiterung, klar ausserhalb meiner Komfort-Zone. Und doch so komfortabel im Vergleich dazu, wie Menschen vor tausenden von Jahren gelebt haben. Wie weit entfernt sind wir heute vom Leben nicht nur auf, sondern mit dem Land, das unsere Lebensgrundlage ist? Dem natürlichen Wissen um Ressourcen, Pflanzen, dem Leben mit dem Jahreszyklus, den Fähigkeiten, in dieser Umgebung nicht nur zu überleben, sondern zu wachsen? Wie viele essbare Pflanzen kennst du, die das gerade liest?
Intentionen und Momente der Stille
Flackernde Fackeln erhellen die Bäume um uns, der Schein reicht nur einige Armlängen weit. Dahinter schweigt die dunkle Nacht von Norwegen, durchbrochen nur vom Knirschen unserer Schneeschuhe. Wortlos stapfen wir durch den tief verschneiten Wald. Fett und Stoffstücke schmelzen in den Flammen von unseren selbstgemachten Lampen – schwarze Tropfen und rote Glut-Flocken, die leise in den weissen Schnee rieseln. Kein Wind, kein Tiergeräusch, kein Laut. Nur unser dampfender Atem und unsere fliegenden Gedanken: Warum bin ich hier? Unser Ziel ist der Offering Rock – irgendwo in diesem Wald – an den wir mit unserer Intention für die vor uns liegende Woche treten möchten.
Wir halten und streifen die Schneeschuhe ab. Lynx steigt auf einen kleinen Felsen, von Schnee überzogen, und beginnt schweigend mit der Hand etwas in der Mitte freizulegen. Die Fackeln im Kreis gesteckt, zeichnet sich in ihrem unsteten Schein langsam eine Form ab. Der verwitterte Schädel eines ihrer geliebten Pferde schaut uns an aus toten Augen – ihr Kraftort. Hierhin hat sie uns führen wollen, für den Moment, für unser Intention, für die Magie der Nacht. In der entstehenden Stille formen sich unsere Gedanken wie die Atemwolken vor unserem Mund – sie kommen und vergehen, zerfliessen im Ganzen. Wir lassen sie aufkommen, aufsteigen und wieder verebben. Lynx beginnt einen Ton zu summen. Das wiederholende Muster flicht sich durch unsere Bilder im Kopf. Zaghaft stimmen wir nach einer Weile ein, machen Platz in unserem Hals für ein paar ungelenke, raue Töne. Die Schönheit im Moment ist grösser als der Klang.
Richtig Bäume fällen und diese zu Feuerbohrsets wie zu Sägen weiterzuverarbeiten war Teil des Programms. Lynx zeigte zudem, wie man aus Geweihen Messergriffe herstellen kann, so dass wir am Ende alle mit unserer eigenen Bügel-Säge und unserem eigenen Messer heim gehen konnten.
Sauna im Wald: Solo-Momente
Nach 5 Tagen bin ich zum ersten Mal länger allein. In der Sauna, umringt von hohen Tannen, nahe am Bach, dem ich gerade ein Loch entrungen habe, um den Eimer mit Wasser zu füllen. Das Feuer knistert und knackt, wohlige Wärme erfüllt den Raum. Schneller und schneller steigt die Temperatur: 20, 30, 50, 70 Grad. Erstmals warm bis in die Knochen. Ich hüte das Feuer, habe den Moment ganz für mich, eine Stunde lang. Brauche die Zeit, um wahrzunehmen, zu verarbeiten, zu fühlen.
Erst Musik, wie habe ich das vermisst. Tanze im Fass, meine Hände tauchen ein in die Hitze hoch oben unter dem Dach, während der Boden noch angenehm kühl ist. Fühle die Klänge im ganzen Körper. Bald verebbt der Drang, und ich setze mich zur Meditation, die ich seit Tage so vermisst habe. Wärme und Liebe erfüllen mich und den Raum rundum. Verbunden mit allem und so unglaublich lebendig – hier im Wald, irgendwo im nirgendwo in Norwegen, während draussen langsam der Schnee herabrieselt. So dankbar für den Moment, die Erfahrung, die verschobenen Grenzen. So dankbar auch für eine Woche komplett ohne Verbindung zur Aussenwelt, offline – dafür mit ganz viel Verbindung nach innen.
Nachklang: Rückkehr zum Alltag
Spannungsschmerz. Alt und neu, draussen und drinnen. Warm im Bett und frisch geduscht liege ich im Hotelzimmer, gleichermassen angenehm wie entfremdet. Wie ein alter Schuh, der zwar wie angegossen passt – so lange eingetragen – aber irgendwie auch ein bisschen fade geworden ist. Sehne mich nach draussen, Luft und Himmel über mir. Nach offline sein und dem Geruch des Feuers. Danach, Dinge mit meinen Händen zu schaffen. Spüre, wie ich nichts von meiner Umgebung spüre – Wände, die mich trennen von den Elementen. In mir schwingt gleichermassen Dankbarkeit für die Wärme wie auch eine leichte Trauer, abgeschnitten zu sein und nicht sehen zu können, wo der Mond gerade steht. Kurz darauf springen meine Gedanken weiter und der Daumen geht reflexmässig auf Instagram, Mails, Facebook und Co. Habitus, die alten Muster. Was bleibt, was geht?
Über Lynx Vilden: „Rewilding humans“
Auswildern. Kennen wir von Tieren, Schritt für Schritt gewöhnen wir sie an ihr ursprüngliches Habitat und lehren sie, sich darin natürlich zu verhalten. Aber was ist mit uns? Zurück zu unserer wilden Natur – rewilding humans, ist die Antwort von Lynx Vilden und einer Gruppe Gleichgesinnter. In ihrem Projekt Lithica möchten sie Natur-Orte schaffen, in denen ein nomadischer oder halbnomadischer Lebensstil möglich ist. Nur mit handgemachten Tools, selbst hergestellter Kleidung und Steinzeit-Wissen. Ein Gegenentwurf vielleicht zur immer digitaleren Welt, in der Artificial Intelligence und anonyme Algorithmen den Alltag bestimmen? In der Community, echte Verbindungen und der Kern des Mensch-Seins im Vordergrund stehen?
Ich wollte Grenzen ausreizen und Expansion. Bekommen habe ich – neben neuen Skills – einen Einblick in andere Lebensentwürfe, so weit weg und so, so anders als mein eigener. Und genau dadurch so wertvoll. Und eine Woche in der beissenden Kälte, frei vom Komfort von Zentralheizung, heissen Duschen und frei von Notifications und Weltgeschehen. Dafür mit Feuergeruch im Haar, Erinnerungen an die schönsten, pudrigsten Kristallflocken meines Lebens und vielen Fragen im Rückreise-Gepäck.
Disclaimer
Der Text wurde komplett ohne AI von einem Mensch (mir) geschrieben, aber mit DeepL auf Englisch übersetzt. Der Beitrag ist kein Bestandteil einer Werbe-Kooperation.